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Was sind die G3-Währungen und warum sind sie so wichtig?

12. Februar 2021

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Immer wieder hört man von den G3-Währungen, aber was ist damit gemeint? Nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit und lesen Sie alles über den Dollar, den Euro und den Yen, die drei wichtigsten Währungen auf dem Devisenmarkt.

 

Die G3-Währungen („G3“ kommt ganz einfach von „group of three“) gelten als die drei wichtigsten Währungen der Welt, da sie sowohl die am meisten gehandelten als auch die liquidesten auf dem Devisenmarkt sind. Dieses Trio setzt sich zusammen aus dem US-Dollar (USD), dem Euro (EUR) und dem japanischen Yen (JPY).

Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind diese drei Währungen die wichtigsten Reservewährungen oder „Ankerwährungen“, die von den Zentralbanken auf der ganzen Welt gehalten werden. Darüber hinaus gelten der Dollar und der Yen als Sicherheitshäfen..

Doch was macht diese drei Währungen so besonders? Warum wird ihnen eine so wichtige Bedeutung beigemessen?

 

Was macht die G3-Währungen so stark?

Länder oder Währungsgebiete mit einer besonders liquiden Währung weisen in der Regel eine Reihe von Merkmalen auf:

  • Erhebliche Wirtschaftskraft
  • Kontinuierliches Wachstum
  • Ein robustes Finanz- und Bankensystem
  • Bestätigte politische Stabilität

Allerdings weisen die Vereinigten Staaten, die Eurozone und Japan nicht unbedingt alle diese Eigenschaften auf. Um die Dominanz der drei unterschiedlichen Währungen besser zu verstehen, muss man sich den Dollar, den Euro und den Yen einzeln im Detail anschauen.

 
1. Der US-Dollar (USD)

Der US-Dollar ist die mit Abstand wichtigste Reservewährung der Welt. Zudem halten die meisten Zentralbanken ihre Reserven in Dollar.

Nach Angaben des IWF sind mehr als 60% der weltweiten Währungsreserven in US-Dollar denominiert und auch 40% der weltweiten Schulden sind ebenfalls in Dollar denominiert.

Aber war das schon immer der Fall?

Der Dollar im 20. Jahrhundert

Zwischen den 1940er und den 1970er Jahren war der US-Dollar der Richtwert, um den die Wechselkurse der wichtigsten Währungen der Welt schwankten. Das Bretton-Woods-Abkommen von 1944 bekräftigte die Dominanz des Dollars als Leitwährung aufgrund seiner Konvertierbarkeit in Gold.

Gemäß dem aus diesen Vereinbarungen resultierenden System fester Wechselkurse koppelten 44 Länder ihre Währungen an den Dollar, wobei eine gewisse Schwankungsbreite um den Dollar zulässig war.

Die wirtschaftlichen Umbruch der 1970er Jahre zwangen die USA jedoch, ihre Währung abzuwerten, und die Konvertibilität des Dollars in Gold war nicht mehr gegeben. Unter diesen Umständen setzte sich das System der flexiblen Wechselkurse durch.

Aber was ist mit dem Dollar heute?

Der Dollar im 21. Jahrhundert

Heutzutage schwanken die meisten Währungen frei entsprechend den Marktbewegungen und sind nicht mehr an den Dollar gebunden.

Dennoch bleibt der Dollar die wichtigste Währung der Welt, was zum Teil auf die internationale Bedeutung der US-Wirtschaft und auf die Dominanz der US-Finanzmärkte zurückzuführen ist.

Trotz des erheblichen Haushaltsdefizits und der hohen Auslandsverschuldung glaubt die Finanz- und Bankenwelt weiterhin an die Fähigkeit der USA, ihre Schulden zurückzahlen zu können. Dies macht den Dollar zur der meistgehandelten Währung auf dem Devisenmarkt und zu einem Sicherheitshafen für Anleger.

Zuletzt legt die US-Zentralbank, die Federal Reserve (FED), die Geldpolitik des Landes fest und kümmert sich um die Ausführung.

Schon gewusst? 
Der Dollar ist aufgrund seiner Stabilität auch die Leitwährung für den globalen Rohstoffmarkt. Wenn der Wert des Dollars sinkt, werden die Kosten für Waren in Dollar höher und in Fremdwährungen niedriger. Rohstoffe werden also billiger, wenn der Dollar schwach ist, und teurer, wenn der Dollar stark ist.
2. Der Euro (EUR)

Die 1999 eingeführte Einheitswährung wurde ab 2002 in den ersten 12 europäischen Ländern in Umlauf gebracht. Die Länder, die den Euro eingeführt haben, gehören zu einer Währungszone, die gemeinhin als Eurozone bezeichnet wird.

Der Euro ist nach dem Dollar die am zweithäufigsten gehandelte Währung auf dem Devisenmarkt, obwohl er erst vor kurzem ins Leben gerufen wurde.

Die Geschichte des Euro im Überblick

Die Währungsunion, ein langjähriges Ziel der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), begann schließlich auf dem europäischen Gipfel in Brüssel 1978 sich zu verwirklichen. Damals wurden das Europäische Währungssystem (EWS) und der Wechselkursmechanismus (WKM) eingeführt. Letztere sah feste, aber anpassbare Wechselkurse vor, die für alle nationalen Währungen innerhalb des Blocks galten. Mit dem Start des Binnenmarktprogramms im Jahr 1985 begann der Prozess der Rationalisierung und Planung der Konvergenz an Fahrt zu gewinnen.

Mit der Unterzeichnung des Vertrags von Maastricht im Jahr 1992 begann der Prozess der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU):

  • 1991-1993 
    Schrittweise Zulassung des freien Kapitalverkehrs.
  • 1993-1998
    Allmähliche Konvergenz der Wirtschaftspolitik zwischen den Ländern innerhalb der Union.
  • 1999-2002
    Einführung strenger Haushaltsregeln und Entwicklung einer gemeinsamen Geldpolitik.

Seit der Einführung des Euros im Jahr 2002 ist die Europäische Zentralbank (EZB) für dessen Emission verantwortlich. Die EZB ist eine einzigartige Institution, da sie die einzige Zentralbank der Welt ist, die für die Geldpolitik mehrerer Länder zuständig ist. Sie garantiert den Wert des Euros als Währung und sorgt für Preisstabilität in der Eurozone.

Aber gilt der Euro als sicherer Hafen?

Der Euro nach 20 Jahren

Nach Angaben des IWF macht der Euro etwa 20 % der weltweiten Währungsreserven aus.

Im Gegensatz zum US-Dollar wird die Einheitswährung jedoch noch nicht als sicherer Hafen angesehen, obwohl sie viele seiner Eigenschaften teilt:

  • Die Verschuldung aller Länder der Eurozone belief sich 2019 auf 78 % des BIP des Währungsgebiets, ein Prozentsatz, der niedriger ist als der der USA oder gar Japans.
  • Die Eurozone weist tendenziell einen Leistungsbilanzüberschuss auf.
  • 33% der weltweit durchgeführten Transaktionen betreffen den Euro.

Aufgrund der manchmal als instabil empfundenen politischen Verhältnisse gilt der Euro jedoch nicht als sichere Währung. In Krisenzeiten sind diese Bedingungen für die Anleger eher beunruhigend.

Die politischen Differenzen und strukturellen Unzulänglichkeiten einiger Länder der Eurozone (insbesondere Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone gemessen am BIP) geben manchmal Anlass zu Befürchtungen über eine mögliche Auflösung des Währungsraums.

Eine politische Annäherung zwischen den Mitgliedsländern könnte den Euro stärken und ihn in den Status eines sicheren Hafens erheben, aber dies scheint vorerst in weiter Ferne zu liegen, da sich die Wirtschaftsmodelle innerhalb des Blocks erheblich unterscheiden.

Schon gewusst? 
Auf dem europäischen Gipfel in Den Haag 1968 wurde das Projekt einer Währungsunion innerhalb der EWG diskutiert, aber diese Diskussionen führten zu keinen konkreten Vorschlägen. Die Wirtschaftskrisen der 1970er Jahre, die durch kontinuierliche Abwertungen und durch das Ende des Systems fester Wechselkurse gekennzeichnet war, machten die Aussicht auf eine gemeinsame Währung auf kurze Sicht unmöglich.
3. Der japanische Yen (JPY)

Der Yen ist die am dritthäufigsten gehandelte Währung auf dem Devisenmarkt. Wie der Dollar gilt auch der Yen als sicherer Hafen. Dies mag überraschen, wenn man nicht mit allen Aspekten des Devisenhandels vertraut ist, da Japan seit den 1990er Jahren mit einer Reihe von wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat.

Dennoch blieb Japan auch 2019 gemessen am BIP die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und ist nach wie vor auch einer der größten Exporteure der Welt.

Aber warum behält die japanische Währung einen privilegierten Status?

Der Yen, eine junge Währung in einem alten Land

Während Japan für seine alternde Bevölkerung bekannt ist, ist die Währung des Landes relativ jung und erst seit 1871 im Umlauf.

Vor dieser Zeit gab es in Japan keine einheitliche Landeswährung. Angetrieben von der Regierung des Kaisers Meiji war die Einführung einer nationalen Währung Teil eines rasanten Industrialisierungsprozesses im 19. Jahrhundert.

Das Fehlen eines mit westlichen Ländern vergleichbaren Bankensystems begrenzte Japans Wirtschaftskraft auf internationaler Ebene. Die Bank of Japan (BoJ) wurde daher 1882 gegründet, um die Geldpolitik des Landes zu implementieren und auszuführen.

Warum also ist der Yen heute so wichtig?

Der Yen in der Neuzeit

Obwohl Japan über eine beachtliche Wirtschaftskraft und politische Stabilität verfügt, weist seine Wirtschaftsentwicklung seit den 1990er Jahren erhebliche Schwächen auf.

Seit dem Platzen der Immobilienblase und der daraus resultierenden Finanzkrise ist das Land geprägt von:

  • Niedrigem Wirtschaftswachstum im Jahresvergleich (selten über 2 %).
  • Ein wiederkehrendes Deflationsproblem.
  • Einer sehr hohe Staatsverschuldung (die größte der Welt im Verhältnis zum BIP).

Allerdings scheint dies die Devisenmarktakteure jedoch nicht zu beunruhigen, da der Yen seinen Status als sicherer Hafen beibehält.

Die trotzdem positive Wahrnehmung des Yen ist vor allem auf zwei Hauptfaktoren zurückzuführen:

  • Japans beträchtliche Handelsüberschüsse, da das Land nach wie vor ein Spezialist für eine Reihe von Hightech-Exporten ist, von Automobilen bis hin zu neuen Technologien.
  • Japan ist hinter den USA und China gemessen am BIP die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Als wichtiger Indikator für die globale Bedeutung des Yen ist die Tendenz der japanischen Währung, in Zeiten der Unsicherheit an Wert zu gewinnen. Dieses Phänomen machte sich besonders im Jahr 2010 bemerkbar, als die Krise in der Eurozone eine Aufwertung von 10% gegenüber dem Euro auslöste. Darüber hinaus stieg der Wert des Yen im Juli 2020 erheblich, als der Dollar aufgrund von Bedenken hinsichtlich des Umgangs der USA mit der Covid-19-Krise und der anhaltenden Spannungen zwischen Washington und Peking an Wert verloren hatte.

Schon gewusst? 
Japan hat die niedrigste Geburtenrate aller entwickelten Länder der Welt, mit einer Geburtenrate von nur 1,4 im Jahr 2019. Bei der derzeitigen Rate wird der Anteil der japanischen Bevölkerung im Alter von über 65 Jahren von heute 26 % auf 45 % im Jahr 2050 ansteigen. Die sinkende Steuerbasis und die wahrscheinlich steigenden Sozialkosten könnten auf lange Sicht schwerwiegende Folgen für die japanische Wirtschaft haben.

 

Die Bedeutung einer Währung auf dem Devisenmarkt hängt von zahlreichen Faktoren ab, von der wirtschaftlichen Stärke eines Landes oder Währungsgebietes bis hin zu dessen politischer Stabilität. Die drei wichtigsten und liquidesten Währungen auf dem Devisenmarkt sind der US-Dollar (USD), der japanische Yen (JPY) und der Euro (EUR).

Die US-Wirtschaft ist die stärkste der Welt, und der Dollar, die mit Abstand wichtigste internationale Reservewährung, gilt als sicherer Hafen. Der Euro ist die am zweithäufigsten gehandelte Währung der Welt und macht 20% der weltweiten Devisenreserven aus. Trotz der unbestreitbaren wirtschaftlichen Bedeutung der Region, ganz zu schweigen von den häufigen Leistungsbilanzüberschüssen, wird die Eurozone manchmal durch politische Unsicherheiten geschwächt, und die Defizite einiger Mitgliedsländer geben in Krisenzeiten Anlass zur Sorge. Als nationale Währung der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt wird der Yen durch Japans beeindruckende Handelsüberschüsse gestützt. Der Wert steigt in Krisenzeiten tendenziell an, was dem Yen auch den Status einer Fluchtwährung verleiht.

Während diese drei Währungen die wichtigsten und am meisten gehandelten auf dem Devisenmarkt sind, verändert sich die Welt der Devisen ständig. Bisher übersehene Währungen, vor allem in Asien, beginnen an Zugkraft zu gewinnen und die Aufmerksamkeit des Devisenmarktes auf sich zu ziehen.

 

 

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