Die aufstrebenden Währungen Asiens und auf welche man achten sollte

29 März 2021

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Die aufstrebenden Schwellenländer in Asien bieten eine Vielzahl an Möglichkeiten für Unternehmen. Auch auf dem Devisenmarkt sind einige asiatische Länder und Währungen immer mehr von Interesse. In diesem Beitrag werden wir vier Währungen der Region analysieren: den chinesischen Yuan (CNY/CNH), den Hongkong-Dollar (HKD), den thailändischen Baht (THB) und den Singapur-Dollar (SGD).

 

Bei der ursprünglichen Einführung des Euro im Jahr 2002 hatten direkt 12 europäische Länder den Euro als ihre nationale Währung eingeführt. Dadurch fielen auf einmal zahlreiche Devisengeschäfte weg. Im Jahr 2015 war Litauen dann das 19. Land, das die Einheitswährung annahm und es wird erwartet, dass weitere EU-Mitgliedstaaten in den kommenden Jahren folgen werden.

Nachdem diese europäischen Währungen wegfielen, haben die Akteure am Devisenmarkt ihre Aufmerksamkeit schnell auf andere Länder gerichtet. Die aufstrebenden Märkte in Asien wurden schnell als ergiebige Region für den Währungshandel identifiziert. 

Aber das wirft die Frage auf, welche asiatischen Währungen sind am gefragtesten auf dem Devisenmarkt? Welche Länder oder Währungsgebiete bieten aktuell die größten Marktchancen für Unternehmen?

Unser Überblick über die Währungen aus China, Hongkong, Thailand und Singapur ermöglicht Ihnen ein besseres Verständnis über die Faktoren die die Wechselkurse beeinflussen können und die Entwicklungen die die Wirtschaft des Landes beeinflussen können.

 

1. Chinesische Währung: Renminbi (RMB) oder Yuan (CNY/CNH)
  • Die chinesische Währung gibt es in drei Formen: dem Renminbi (RMB), dem „Onshore“-Yuan (CNY) und dem „Offshore“-Yuan (CNH).
  • Die People‘s Bank of China hat sich für ein kontrolliertes flexibles Wechselkurssystem entschieden, das im Ausland oftmals auf Kritik stößt, da der Yuan als unterbewertet gilt.
  • Die Wirtschaft Chinas stellt 10% des Welthandels dar, dabei werden weniger als 2% der internationalen Zahlungen in Yuan durchgeführt.

Die chinesische Währung, allgemein als Renminbi (RMB) oder Yuan (CNY/CNH) bekannt, weist einige spezifische Merkmale auf.

Der Renminbi (RMB) ist die offizielle Währung Chinas und das Tauschmittel des Landes, während der Yuan (CNY/CNH) die Rechnungseinheit dieser Währung darstellt.

Der „Onshore“ und „Offshore“ Yuan:

Es wird zwischen dem Onshore-Yuan (CNY) und dem Offshore-Yuan (CNH) unterschieden.

Der Onshore-Yuan (CNY) kann nicht frei konvertiert werden und wird nahezu ausschließlich in Festlandchina verwendet.

Der Offshore-Yuan (CNH), wurde von der Hong Kong Monetary Authority (HKMA) im Jahr 2010 eingeführt und ist die konvertierbare Version der chinesischen Währung, die offshore (im Ausland) gehandelt wird. Ein wichtiger Vorteil dieser Währung für nicht chinesische Unternehmen ist die Möglichkeit, die Beschaffungsgebühren lokaler Lieferanten direkt in Yuan zu bezahlen.

Aber wie kontrolliert die People‘s Bank of China aber die komplexe Währung des Landes?

Kontrolliertes flexibles Wechselkurssystem

Eine weitere Besonderheit der chinesischen Währung ist die intervenierende Politik der Zentralbank des Landes, der People‘s Bank of China.

Der Yuan wird von dieser Einrichtung streng überwacht, wobei sie sich für ein kontrolliertes flexibles Wechselkurssystem entschieden hat. Dieses System ist stärker staatlich kontrolliert oder gelenkt als das flexible Wechselkurssystem, das die meisten Industrieländern anwenden.

Wie funktioniert dieses Wechselkurssystem?

  • Der Wechselkurs des Onshore-Yuan (CNY) wird an einen Währungskorb gekoppelt, dessen Zusammensetzung streng geheim ist.
  • Die Zentralbank Chinas teilt spezialisierten Devisenhändlern einen „gewünschten“ Wechselkurs mit und diese handeln entsprechend, wodurch dieser Kurs erreicht wird.
  • Die Entwicklungen des Wechselkurses werden deshalb so manipuliert, dass der Yuan (CNY) einen bestimmten Zielwechselkurs erreicht.

Dieses Modell mag zwar insbesondere für die Exporte Chinas von Vorteil sein, die weitgehende Wahrnehmung, dass der Yuan unterbewertet ist, wird jedoch oft als Grund für gewisse weltweite Ungleichheiten genommen, darunter auch ein beträchtliches Handelsdefizit der USA mit China.

Demgegenüber fluktuiert der Wechselkurs des Offshore-Yuan (CNH) in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage von Privatpersonen auf dem Devisenmarkt.

Im Jahr 2019 machte der Yuan lediglich 1,23% der weltweiten Devisenreserven aus, aber er besetzte trotzdem Platz acht der weltweit am meisten gehandelten Währungen.

Schon gewusst? 
Der Yuan gehört nun zum Sonderziehungsrechtskorb (Special Drawing Rights - SDR) des IWF, einem geldpolitischen Instrument zur Ergänzung der offiziellen Reserven der Mitgliedstaaten und der Steigerung der Liquidität der Weltwirtschaft im Falle von Engpässen.
 
2. Der Hongkong-Dollar (HKD)
  • Der Hongkong-Dollar (HKD) gilt als besonders stabile Währung, was auf sein Currency Board-System sowie seine Kopplung an den US-Dollar (USD) zurückzuführen ist.
  • Die Spannungen mit Peking haben in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit der Devisenmärkte auf sich gezogen.

Der Hongkong-Dollar ist eine besonders stabile Währung, die vom Currency Board der Hong Kong Monetary Authority (HKMA) verwaltet wird. Den Hongkong-Dollar gibt es in dieser Konfiguration seit 1983, als das Linked Exchange Rate System (LERS) der HKMA ursprünglich eingeführt wurde.

Was ist die Rolle des Currency Boards?

Die Hauptaufgabe eines Currency Boards besteht darin, die Kopplung einer lokalen Währung (in diesem Fall des Hongkong-Dollars) an eine ausländische „Leitwährung“ (in diesem Fall den US-Dollar) beizubehalten.

Eigenschaften eines Currency Boards:

  • Im Gegensatz zu einer Zentralbank greift ein Currency Board nicht direkt am Devisenmarkt ein, um die negativen Auswirkungen wirtschaftlicher Schwankungen zu minimieren.
  • Das Currency Board muss die selbe Geldpolitik verfolgen wie die von der Zentralbank der Leitwährung, in diesem Fall der US Federal Reserve.
  • Zusätzlich ist das Currency Board dazu verpflichtet, umfangreiche Reserven der Leitwährung zu halten, und diese müssen stets mindestens dem Wert der von ihm emittierten nationalen Währung entsprechen.

Seit den 2000er Jahren musste das Currency Board Hongkongs einen Wechselkurs zwischen 7,7500 HKD und 7,8500 HKD pro USD beibehalten. Wenn der Hongkong-Dollar abwertet, zwingen die Kopplungspflichten die HKMA dazu, US-Dollar zu verkaufen und Hongkong-Dollar zu kaufen und somit einen konstanten Wechselkurs beizubehalten.

Aber von welchem Status profitiert der Hongkong-Dollar heute?

Der Hongkong-Dollar heute

Den offiziellen Zahlen der Bank for International Settlements (BIS) zufolge kletterte der Hongkong-Dollar zwischen 2016 und 2019 von Platz 14. auf Platz 9. der am meisten gehandelten Währungen. Dieser starke Anstieg des Handelsvolumens innerhalb eines kurzen Zeitraums ist wahrscheinlich auf die anhaltende politische Unsicherheit in Hongkong und die erneuten Spannungen mit Peking zurückzuführen.

Die steigende Volatilität führte jüngst zu einigen Bewegungen am Devisenmarkt.

Schon gewusst? 
Im Juni 2020 lag der Hong Kong Stock Exchange hinsichtlich der Marktkapitalisierung auf dem fünften Platz hinter dem New York Stock Exchange (NYSE), dem Nasdaq, dem Tokyo Stock Exchange (TSE) und dem Shanghai Stock Exchange (SSE).
 
3. Thailändischer Baht (THB)
  • Obwohl es von der asiatischen Finanzkrise in den 1990er Jahren besonders betroffen war, genießt Thailand heute eine relativ hohe wirtschaftliche Stabilität.
  • Der thailändische Baht (THB) gilt als illiquide Währung, weshalb es relativ teuer ist, den Baht gegen andere Währungen einzutauschen.

SWIFT zufolge war der thailändische Baht im Jahr 2019 bei internationalen Zahlungen die neuntmeiste verwendete Währung. Die Zentralbank des Königreichs, die Bank of Thailand, ist für seine Ausgabe verantwortlich.

Getreu seinem Status als „exotische Währung“ gilt der thailändische Baht als illiquide. Dies bedeutet, dass sein Handelsvolumen relativ niedrig ist und er Schwankungen unterliegen kann.

Der Bank for International Settlements (BIS) zufolge lag der thailändische Baht im Jahr 2016 auf dem 23. Platz der weltweit am meisten gehandelten Währungen, was teilweise auf eine breite Geld-Brief-Spanne zurückzuführen ist.

Welche Rolle spielte aber Thailand in der asiatischen Finanzkrise?

Die asiatische Finanzkrise in den 1990er Jahren

Der thailändische Baht spielte bei der Finanzkrise in Asien im Jahr 1997 eine zentrale Rolle, da die Bank of Thailand zu diesem Zeitpunkt über unzureichende Devisenreserven verfügte und somit gezwungen war, die Kopplung des thailändischen Baht an den US-Dollar aufzugeben.

Die darauffolgende massive Abwertung hatte drei wesentliche Folgen:

  • Extensive Kapitalflucht.
  • Eine Konkurswelle in Thailand, wo es bis zu diesem Zeitpunkt üblich gewesen war, dass die Unternehmen Kredite in US-Dollar aufnahmen und Zahlungen in thailändischen Baht erhielten.
  • Ein Schneeballeffekt mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen.

Aber wie ging es weiter?

Erholung der thailändischen Wirtschaft

Die thailändische Wirtschaft hat sich seit der Krise in den 1990er Jahren wieder erholt und das Land hat seine wirtschaftliche Entwicklung fortgesetzt, wenngleich das Wachstum in den vergangenen Jahren etwas nachgelassen hat. Laut der Weltbank wies Thailand zwischen 1999 und 2005 ein jährliches BIP-Wachstum von 5% auf. Dieser Wert sank jedoch zwischen 2005 und 2015 auf 3,5 % pro Jahr.

Nichtsdestotrotz zieht der thailändische Baht immer mehr Aufmerksamkeit am Devisenmarkt auf sich, da die Wirtschaft des Landes, die stark auf den Tourismus und den Export ausgerichtet ist (letzterer macht 66% des thailändischen BIP aus), zu einer der stabilsten der Region aufgestiegen ist.

Im Vergleich zum Nachbarland Malaysia ist Thailand weitaus weniger abhängig vom Handel mit Rohstoffen und Erdöl, was bedeutet, dass die Stabilität nicht durch niedrige Ölpreise beeinträchtigt wird

Schon gewusst? 
Im Januar 2020 wurde Thailand zum weltweit sechstgrößten Exporteur von Obst, hinter Spanien, den Niederlanden, Mexiko, den Vereinigten Staaten und Chile. Der Wert seiner Fruchtexporte in den ersten zehn Monaten des Jahres 2019 wurde auf 3,213 Milliarden Dollar (USD) geschätzt.
 
4. Der Singapur-Dollar (SGD)
  • Singapur gilt seit langem als die stabilste Wirtschaft in der Region und profitiert von einer liquiden Währung, dem Singapur-Dollar (SGD).
  • Die wirtschaftliche Leistung Singapurs und der Wechselkurs des Singapur-Dollars hängen stark von den Direktinvestitionen aus dem Ausland sowie dem Ölpreis ab.

Singapur ist eine internationales Finanzzentrum mit einem attraktiven Steuersystem und einer relativ jungen und liquiden Landeswährung. Der Bank for International Settlements (BIS) zufolge war der SGD im Jahr 2019 die 14. meistgehandelte Währung auf dem Devisenmarkt. SWIFT zufolge war der SGD die zehntwichtigste Währung, wenn man das Volumen internationaler Zahlungen desselben Jahres berücksichtigt.

Der Singapur-Dollar, damals und heute

Nach dem Unabhängigkeitsabkommen zwischen Singapur und Malaysia im Jahr 1965 endete auch die Währungsunion zwischen diesen beiden Ländern und Brunei. Der Inselstaat Singapur begann daraufhin, seine eigene Währung zu emittieren. Der Singapur-Dollar war ursprünglich an das britische Pfund Sterling (GBP) gekoppelt, wurde dann kurzzeitig an den US-Dollar und anschließend zwischen 1973 und 1985 an einen Währungskorb gekoppelt.

Seit den 1980er Jahren bewegt sich der SGD mehr oder weniger frei, er unterliegt jedoch weiterhin einer strengen Fluktuationsspanne, die von der Monetary Authority of Singapore (MAS) geheim gehalten wird.

Singapur, eine Hightech-Wirtschaft

Die Wirtschaft Singapurs ist hochentwickelt und konzentriert sich besonders auf den Export von Hightech-Produkten wie Chemikalien und Elektronikprodukten. Der strategische Standort des Landes zwischen dem Indischem und Pazifischem Ozean macht es zusammen mit seinen umfassenden Hafentätigkeiten zu einer Anlaufstelle für u.a. die Erdölraffinerie.

Die Direktinvestitionen aus dem Ausland – ein Eckpfeiler der lokalen Wirtschaft – werden durch eine attraktive Steuerpolitik sowie einen hochspezialisierten Dienstleistungssektor, insbesondere bei Bank- und Vermögensverwaltungsdienstleistungen, unterstützt.

Angesichts der begrenzten anbaufähigen Flächen hängen die Leistung der Wirtschaft Singapurs sowie der Wechselkurs des Singapur-Dollars stark von dem Wert der Rohstoffe und natürlichen Ressourcen ab, die in großen Mengen importiert werden, um Produkte für den Export herzustellen.

Schon gewusst? 
Zahlen des IWF zufolge liegt Singapur in Bezug auf das Pro-Kopf-BIP im Jahr 2019 weltweit auf Rang drei hinter Qatar und Luxemburg.

 

Seit einigen Jahren und insbesondere seit dem Wegfall zahlreicher europäischer Währungen aufgrund der Einführung der Einheitswährung im Jahr 2002 ist am Devisenmarkt mehr Interesse für asiatische Schwellenländer und ihre Währungen zu beobachten. Dies ist insbesondere der Fall beim chinesischen Yuan (CNY), dem Hongkong-Dollar (HKD), dem thailändischen Baht (THB) und dem Singapur-Dollar (SGD).

Beim Yuan handelt es sich um einen komplexen Fall, insbesondere da er im Ausland nur begrenzt gehandelt werden kann, als unterbewertet gilt und das Land ein einzigartiges Wechselkurssystem aufweist. Der Hongkong-Dollar ist an den US-Dollar (USD) gekoppelt und gilt als eine der liquidesten und stabilsten Währungen der Region. Die wirtschaftliche Entwicklung Thailands seit den 1990er Jahren war beeindruckend und der thailändische Baht ist jedoch nach wie vor eine illiquide Währung. Die singapurische Wirtschaft wiederum ist hochentwickelt, der Singapur-Dollar ist jedoch den negativen Entwicklungen an den Rohstoffmärkten ausgesetzt sowie drastischen Änderungen der Ölpreise.

Diese vier Länder können seit einigen Jahren ein anhaltendes Wachstum vorweisen und bieten für international tätige Unternehmen beachtliche Möglichkeiten. Es besteht jedoch ein inhärentes Risiko, das beim Handel mit Schwellenländerwährungen und wichtigen Währungen ähnlich ist. Unternehmen mit Tätigkeiten im Ausland sollten aus diesem Grund die Möglichkeiten im Ausland untersuchen, jedoch auch die Vorteile von Lösungen zur Devisenabsicherung berücksichtigen, um dieses Risiko zu begrenzen.