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Wie lassen sich Risiken in der Lieferkette erkennen und vermeiden?

1. April 2021

Supply-chain

Die Verwaltung Ihrer Lieferkette kann eine komplexe Aufgabe sein. Die alleinige Erfassung potenzieller Unterbrechungsrisiken reicht nicht unbedingt aus, um diese auch zu vermeiden. Lesen Sie unsere Tipps für ein besseres Verständnis der verschiedenen Probleme im Rahmen einer Lieferkette.

 

Unter der Lieferkette versteht man meistens die verschiedenen Phasen der Herstellung eines Produkts, bevor es im Geschäft oder beim Endkunden ankommt.

Die Lieferkette besteht aus einem komplexen Netzwerk voneinander abhängiger Beteiligten, von der Produktion bis zur Lieferung, die die verschiedenen Bindeglieder der Kette ausmachen.
Für ein Unternehmen, das mit mehreren verschiedenen Logistik-Partnern zusammenarbeitet, ist eine gute Verwaltung der Lieferkette Pflicht. Je mehr ein Unternehmen an Tätigkeiten auslagert, umso heikler wird dieses Verfahren.

Damit eine optimale Verwaltung der Beziehungen und Leistungen gewährleistet werden kann, reichen operative Effizienz und Reaktionsfähigkeit nicht mehr aus. Es muss eine Logistikstrategie ausgearbeitet werden, die die verschiedenen Lieferrisiken berücksichtigt, die sich auf Ihr Unternehmen auswirken können.

Um welche Risiken handelt es sich aber? Und wie können Sie Ihr Unternehmen vor den Risiken schützen? Welche Strategien können eingesetzt werden, um potenzielle Auswirkungen zu minimieren?

 
Auf welche Risiken in der Lieferkette sollten Sie achten?

Um Qualitätsstandards zu gewährleisten, sollten Unternehmen einen guten Gesamtüberblick über ihre Lieferkette haben und diese vollständig kontrollieren können.

In einer globalisierten Welt, in der sich der internationale Wettbewerb ständig verschärft, ist die Stärkung der Kundenbindung und der Aufbau stabiler Beziehungen zu den Lieferanten eine zunehmend komplexe Aufgabe. Ein einziger Fehler in der Logistikkette kann sich aufgrund seiner Folgewirkungen negativ auf den Ruf eines Unternehmens auswirken.

Aus diesem Grund sind Unternehmen heute sowohl mit internen als auch mit externen Lieferrisiken konfrontiert.

Interne Risiken:

  • Probleme mit dem Projektmanagement
  • Schwierigkeiten in Verbindung mit Personal oder materiellen Ressourcen.
  • IT-Mängel.
  • Planungsfehler.

Der Umgang mit diesen Risiken kann sich als einfacher erweisen, da sie sich direkt auf die internen Verwaltungsprozesse des Unternehmens beziehen.

Externe Risiken:

  • Probleme bei der Suche nach Lieferanten.
  • Schlechte Verwaltung der Lieferanten.
  • Fehlende Transparenz bei Lieferantenzahlungen in Fremdwährungen.
  • Probleme mit den Zahlungsbedingungen.
  • Probleme mit den Lieferzeiten.
  • Mangelhafte Qualitätskontrolle.

Diese Risiken sind schwieriger zu entdecken und zu eliminieren.

Es ist jedoch wichtig zu berücksichtigen, dass in jeder Phase der Logistikkette Risiken auftreten können. Während manche einfacher sind zu überwachen, erfordern andere wiederum besondere Aufmerksamkeit und eine intensive Zusammenarbeit mit externen Partnern.

 
Einige verbreitete interne und externe Risiken

Werfen wir einen genaueren Blick auf einige wiederkehrende Risiken in verschiedenen Bereichen der Lieferkette. Von internen Risiken wie Projektmanagementproblemen und Bedenken in Bezug auf IT und Cybersecurity bis hin zu externen Risiken wie der unzureichenden Kapazität externer Partner, der Leistung von Lieferanten, Veränderungen des Umfelds oder der regulatorischen Vorschriften und der fehlenden Möglichkeit zur Zahlungsverfolgung.

1. Projektmanagement

Schlechtes Projektmanagement ist einer der wichtigsten Risikofaktoren in der Lieferkette.

Oftmals ist es das Ergebnis einer schlechten Zuweisung von Personal oder materiellen Ressourcen und kann die operative Effizienz des Unternehmens beeinträchtigen sowie die Beziehungen mit Ihren Lieferanten schädigen.

Es gibt jedoch einige bewährte Verfahren, mit denen man sich vor den Risiken des Projektmanagements schützen kann.

Jeder Projektmanager muss:

  • ausreichend geschult sein, um seine Tätigkeiten auszuführen und sich gleichzeitig aktiv vor den damit verbundenen Risiken zu schützen.
  • ein gutes Verständnis über das ihm zugewiesene Projekt verfügen, und die wichtigsten Problemstellen kennen.
  • die Logistikkette ausarbeiten, um ein tiefgreifendes Verständnis für den Ablauf zu erlangen.
  • bestmögliche Beziehungen mit den Lieferanten pflegen.
  • die operativen Prozesse der ausgewählten Lieferanten verstehen.
  • die Auswirkungen potenzieller Störungen in der Lieferkette abschätzen.

2. IT und Cybersecurity

Die modernen Lieferkettenprozesse sind weitgehend computergesteuert, weshalb man sorgfältig sicherstellen muss, dass die IT-Systeme die entsprechenden Standards erfüllen und über ausreichende Schutzvorkehrungen verfügen.

Angesichts des hohen Werts der Lieferkettendaten ist es von entscheidender Bedeutung, die notwendigen Schutzvorkehrungen einzurichten.

Es gibt einige bewährte Verfahren, mit denen man sich vor Cyber-Risiken schützen kann.

Es ist wichtig, dass:

  • regelmäßig die Zuverlässigkeit der eingesetzten IT-Systeme zu bewerten, um mögliche Schwachstellen zu identifizieren.
  • die Schwachstellen sämtlicher vernetzten Geräte zu ermitteln sowie der Webseiten und Firewalls des Unternehmens.
  • die Mitarbeiter in Bezug auf IT-Risiken zu sensibilisieren, um unbeabsichtigte Datenlecks von sensiblen Informationen zu vermeiden.

3. Unzureichende Kapazität der externen Partner

Die Nachfrage für ein Produkt oder einer Dienstleistung kann sich recht plötzlich ändern. In gewissen Branchen sind diese Schwankungen besonders schwer vorhersehbar.

Wenn man erst spät bemerkt, dass ein wichtiger Lieferant nicht in der Lage ist, Ihren Bedarf zu decken, insbesondere, wenn Sie mit einem plötzlichen Anstieg der Nachfrage konfrontiert sind, kann sich dies als sehr schädlich für Ihr Unternehmen entwickeln.

Um diese Gefahr zu umgehen und die Abhängigkeit zu begrenzen, ist es wichtig:

  • zu versuchen, die Beschaffung über mehrere Lieferanten abzuwickeln und mehrere Vertriebskanäle zu nutzen.
  • Vendor Managed Inventory (VMI) Lösungen zu erwägen, um die Nachhaltigkeit Ihrer Produktion zu gewährleisten, wenngleich diese Option zumeist kostspielig ist und ein sorgfältiges Management erfordert.

4. Supplier performance

Sobald Sie einen Lieferanten ausgewählt haben, werden für gewöhnlich drei Faktoren genutzt, um ihre Leistung zu bewerten: Kosten, Qualität des Produkts oder der Dienstleistung und delivery time.

Um eine möglichst hohe Qualität von Ihren Lieferanten zu gewährleisten, ist es wichtig:

  • regelmäßig Feedback über die Qualität der erbrachten Leistung zu geben.
  • den Wettbewerb kontinuierlich zu beurteilen, um Vergleichsanalysen mit den Leistungen Ihrer ausgewählten Lieferanten durchzuführen.
  • einen Stresstest für Ihren Lieferanten umzusetzen, mit dem Sie seine Lösungen in sehr anstrengenden Zeiten sowie seine Reaktionsfähigkeit, seine Finanzlage und seine Versicherungs- und Vergütungsbedingungen beurteilen können.

5. Veränderungen des Umfelds oder der Vorschriften

Diese Veränderungen entziehen sich der Kontrolle der Lieferkette, können aber auch große Probleme verursachen.

Beim Umgang mit umweltbedingten oder regulatorischen Veränderungen ist es wichtig, ständig informiert zu sein. Nur dann sind Sie in der Lage, die potenziellen Risiken, die entstehen können, zu antizipieren.

Die Implementierung eines umfassenden Überwachungsprozesses ist eine gute Strategie, um Überraschungen zu vermeiden.

Hierzu müssen Sie:

  • Sorgfältig relevante Informationsquellen zu Logistikvorschriften in sämtlichen Regionen verfolgen, in denen Ihre Lieferanten tätig sind.
  • Sich über geopolitische Entwicklungen in Gebieten auf dem Laufenden halten, die in Bezug auf die Regulierung potenziell volatiler sind.

6. Mangelnde Möglichkeiten für die Zahlungsverfolgung

Das Thema Zahlungen ist ein entscheidender Aspekt der Beziehung zwischen einem Kunden und einem Lieferanten. Wie stark solch eine Beziehung ist, hängt sowohl von der Regelmäßigkeit als auch der Schnelligkeit der Zahlungen ab.

Eine mangelnde Transparenz auf Ebene Ihres Zahlungsdienstleisters oder Ihrer Zahlungslösung kann diese Beziehung beeinträchtigen.

Wenn man das Vertrauen der Lieferanten in Bezug auf Zahlungen beibehalten möchte, sollte man:

  • die mit ihnen verhandelten Zahlungsbedingungen einhalten.

  • sie über die von Ihnen vorgenommenen Zahlungen sowie Ihre aktuellen und prognostizierten Lieferbedürfnisse auf dem Laufenden halten und ihnen gleichzeitig Möglichkeiten zur Optimierung der Rentabilität Ihrer Beziehung vorzuschlagen.

  • Einen Zahlungsdienstleister auswählen, der umfassende Transparenz bietet, insbesondere mithilfe von Lösungen, mit denen die Zahlungen von beiden Parteien in Echtzeit verfolgt werden können.

Die zuvor aufgeführten Risiken sind zwar nicht erschöpfend, sie bieten jedoch einen Überblick über die Gefahren, denen alle Unternehmen ausgesetzt sind, die im Rahmen ihrer Lieferkette auf externe Partner setzen.

 

Ihre Lieferkettenstrategie richtig umsetzen

Eine umfangreiche Strategie sollte sämtliche potenziellen Gefahren in Verbindung mit Ihrer eigenen Lieferkette und Ihrem Tätigkeitsbereich berücksichtigen.

Wie sollte man jedoch bei der Entwicklung einer solchen Strategie vorgehen?

Es ist entscheidend, die potenziellen Schwachpunkte Ihrer Lieferanten zu erkennen, mögliche Unterbrechungen der Lieferkette zu antizipieren und einen Geschäftskontinuitätsplan aufzustellen, um mit schwierigen Situationen umzugehen.

1. Schwachpunkte erkennen

Dies bedeutet letztendlich, die Leistung Ihrer Lieferanten zu beurteilen und nach Verbesserungspunkten Ausschau zu halten. Wenn Sie potenzielle Probleme vorhersehen, können Sie besser darauf reagieren.

Angesichts der Komplexität der Logistikströme ist es unerlässlich:

  • präzise KPIs für Ihre Lieferanten festzulegen, wobei das letztendliche Ziel die optimale Qualität für den Endkunden ist.
  • Stresstests durchzuführen, um ihre Reaktionsfähigkeit in schwierigen oder unvorhersehbaren Situationen zu messen.

2. Ausfälle antizipieren

Unerwartete Ausfälle der Lieferkette können verschiedenste Formen annehmen. Sie können vermieden werden, indem man:

  • regelmäßige Qualitätskontrollen durchführt und so das Risiko des Rückrufs eines mangelhaften Produkts vermeidet.
  • kollaborative Planungsverfahren umsetzt und so gewährleistet, dass alle Partner über Umsatzprognosen und deren Entwicklungen in Kenntnis gesetzt werden.

3. Entwicklung eines Geschäftskontinuitätsplans

Auch wenn es so scheint, als hätten Sie alle möglichen Störungsszenarien antizipiert, kann die Lieferkette trotzdem durch ein unvorhergesehenes Ereignis beeinträchtigt werden. Um dies bestmöglich zu vermeiden, sollten Sie Folgendes in Erwägung ziehen:

  • Entwicklung eines Geschäftskontinuitätsplans im Voraus und regelmäßige Aktualisierung, unter Berücksichtigung sämtlicher neuer Risiken und Umsetzung der notwendigen Maßnahmen. 
  • Ein Geschäftskontinuitätsplan sollte über das reine kollaborative Planungsverfahren hinaus gehen eine Vielzahl von möglichen Reaktionen auf vorher festgelegte Störungsszenarien beinhalten. 
  • Hierfür wird die freiwillige Zusammenarbeit aller Beteiligten der Lieferkette benötigt, einschließlich Ihrer Lieferanten.

Die Lieferkette ist ein komplexes Ökosystem, an dem zahlreiche voneinander abhängige Parteien beteiligt sind. Der Erfolg vieler Unternehmen hängt stark von der richtigen Verwaltung ihrer logistischen Prozesse ab. Dies ermöglicht es letztendlich den Unternehmen, positive Beziehungen mit ihren Partnern zu pflegen sowie den Fortbestand ihrer Tätigkeiten zu gewährleisten.

Eine proaktive Herangehensweise und eine genaue Überwachung der Leistung der Lieferanten sind wichtige Schritte, um die Lieferkettenrisiken zu begrenzen. Ferner ermöglichen kollaborative Planungsverfahren es, potenzielle Störungsszenarien zu antizipieren und so ihre Auswirkungen zu begrenzen. Hinzu kommt, dass die Entwicklung eines Geschäftskontinuitätsplans dabei helfen kann, Unternehmen auf verschiedene mögliche Logistikausfälle vorzubereiten. So können sie Lösungen umsetzen, die eine relativ ungestörte Geschäftskontinuität gewährleisten.

Auch die Bezahlung und das Management Ihrer Zahlungen sind Aspekte Ihrer Lieferkette, die Sie im Auge behalten sollten. Die pünktliche Bezahlung Ihrer Lieferanten trägt dazu bei, die Loyalität zu stärken und die Beziehung zu festigen. Prompte Zahlungen können auch die Lieferzeiten verkürzen, da der Zahlungseingang oft die Bedingung ist, unter der ein Lieferant mit der Produktion beginnt oder Ihre Bestellung versendet.

 

 

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