iBanFirst Blog

Aktuelle Analysen zum Devisenmarkt, Wirtschaftsnachrichten sowie fundierte Einblicke in den Finanz- und Fintech-Sektor

Die Rückkehr zur Dollar-Herrschaft

15. November 2021

img_featured_USD-1

Der Dollar-Index befindet sich in einem langfristigen Aufwärtstrend. In der vergangenen Woche führte der unerwartet starke Anstieg der US-Inflation im Oktober zu einer Beschleunigung des Anstiegs auf etwa 95 Punkte. Zu Beginn des Jahres lag der Dollar-Index bei 89. Wir gehen davon aus, dass sich die Rallye in den kommenden Monaten fortsetzen wird, solange es Zweifel an der Inflationsentwicklung gibt. Ein kurzfristiger Test der 96er-Marke ist vorprogrammiert. Wir erwarten, dass die wichtigsten Währungen gegenüber dem US-Dollar fallen werden. Der Euro und das Pfund Sterling gehören unserer Ansicht nach zu den anfälligsten Währungen. 

Der Anstieg der Inflation ist noch nicht vorbei

Auf der ganzen Welt bricht die Inflation Rekorde. Dies ist zum Teil auf die steigenden Energiekosten, den internationalen Handel und ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in mehreren Sektoren zurückzuführen. In den USA erreichte die am Verbraucherpreisindex gemessene Inflation im Oktober mit 6,2 % im Jahresvergleich einen Höchststand. Es gibt allen Grund zu der Annahme, dass die Inflation in den kommenden Monaten weiter ansteigen wird. Die oben genannten Aufwertungsfaktoren werden sich weiterhin auf die Gesamtpreisentwicklung auswirken. Hinzu kommt der erhebliche Anstieg der Immobilienpreise in den USA. Die wichtigsten Waren, die sich im vergangenen Jahr in den USA verteuert haben, sind: Kraftfahrzeuge (insbesondere Gebrauchtwagen), Sportartikel, Babykleidung und persönliche Dienstleistungen (z.B. Reinigung und Haushaltshilfe). Am wenigsten gestiegen sind die Preise für Hausratversicherungen, Haushaltsgeräte und Kosmetika. Die Preise sanken nur bei einer Minderheit von Waren. Die US-Notenbank vertritt die Auffassung, dass der Inflationsdruck vorübergehend ist. Sie sollten ab dem nächsten Jahr allmählich verschwinden. Eine Garantie dafür gibt es nicht. Ende der 1960er Jahre hatte die US-Notenbank zu lange eine zu lockere Geldpolitik betrieben und sich ausschließlich auf das Ziel der Vollbeschäftigung konzentriert. Sie hatte die Inflationsrisiken vernachlässigt. In den 1970er Jahren hatte die Inflation zweistellige Werte erreicht. Es bedurfte eines drastischen Anstiegs der Zinssätze und einer doppelten Rezession in den frühen 1980er Jahren, um diese Situation zu überwinden. Die US-Wirtschaft ist nicht mehr in der gleichen Verfassung wie Ende der 1960er Jahre. Aber das Risiko, dass die Zentralbank die Inflationsgefahr falsch einschätzt, ist gestiegen.

Der US-Dollar ist der große Gewinner

Einige Dinge sind auf dem Devisenmarkt unveränderlich. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit oder einer Finanzkrise fließt ausländisches Kapital in die US-Finanzmärkte zurück. Die reichlich vorhandene Liquidität, die wichtige Rolle der US-Notenbank für die Weltwirtschaft und die Größe des US-Binnenmarktes sind einige der Faktoren, die dieses Phänomen erklären. Dies führt automatisch zu einer Aufwertung des US-Dollars. Auffallend ist, dass dieser Rückzug auf den US-Markt selbst dann erfolgt, wenn die wirtschaftlichen Turbulenzen von den USA ausgehen. Wir haben dies in den letzten Krisen fast systematisch gesehen. Wir sehen es wieder bei den Sorgen um die Inflation. Schwellenländerwährungen sind am anfälligsten für Kapitalflucht in die USA. Der mexikanische Peso hat seit Jahresbeginn 3,6 % seines Wertes gegenüber dem US-Dollar verloren. Dieser Rückgang erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem die mexikanische Zentralbank einen Zinserhöhungszyklus eingeleitet hat, der theoretisch den Wechselkurs des mexikanischen Pesos stützen sollte. Dies ist nicht der Fall. Von den Währungen der Industrieländer sind der Euro und das Pfund Sterling unseres Erachtens am anfälligsten. Seit dem Frühjahr hat der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren. Das setzt sich fort und dürfte den EUR/USD auf 1,13 bringen, möglicherweise noch vor Ende des Jahres. Das Pfund Sterling wird durch den inflationären Kontext, aber auch durch das Risiko einer technischen Rezession im Vereinigten Königreich benachteiligt. Letzteres könnte sich aus einer bevorstehenden Straffung der Geldpolitik durch die Bank of England und einer restriktiveren Finanzpolitik ergeben. Solange der Inflationsdruck anhält, dürfte der US-Dollar die stärkste Währung auf dem Devisenmarkt sein. Die Veröffentlichung der ersten Schätzung der US-Inflation im November am 10. Dezember ist das wichtigste Marktrisiko in den kommenden Wochen. Sollte die Inflation im November immer noch hoch sein, könnte die zentrale These der US-Notenbank (d.h. ein vorübergehender Preisdruck) infrage gestellt werden.

 

Beliebteste Artikel