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Auf dem Weg zu einem langfristigen Rückgang des Wechselkurses von EUR und ILS?

29. April 2021

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Angesichts des Erfolgs von Israels Impfkampagne wird sich die Wirtschaft des Landes wahrscheinlich schneller erholen als in den meisten Ländern der Eurozone. Wird dies auch zu einer übermäßigen Aufwertung des Schekels führen? Und wie wird sich das Währungspaar EUR/ILS im Zuge der israelischen Parlamentswahlen entwickeln?
 

Die Entwicklung des Wechselkurses von Euro und Schekel (EUR/ILS) muss im Sinne eines Zyklus verstanden werden. Seit dem Rekordhoch von 5,95 kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 befindet sich das Paar in einem langfristigen Abwärtszyklus. Letzterer wurde durch die Covid-19-Krise bestätigt. Innerhalb eines Jahres hat der EUR/ILS-Kurs fast 2,5 % verloren und pendelt nun um den Bereich von 3,90. Betrachtet man einen Zeitraum von drei Jahren, ist der Rückgang sogar noch größer und liegt bei etwa 8 %, im Fünf-Jahres-Vergleich beläuft er sich auf fast 10 %.

Seit Beginn der aktuellen Krise hat die israelische Zentralbank eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die unter anderem darauf abzielen, den Wechselkurs des Schekels gegenüber dem Euro und dem US-Dollar zu senken. Zu diesen Maßnahmen gehören die Senkung des Leitzinses auf ein historisches Tief von 0,1 % und der Start eines Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (oder QE für Quantitative Easing), das die wichtigste geldpolitische Innovation im Zusammenhang mit der Krise darstellt.

Wie ein Dutzend Schwellenländer hat sich auch Israel für diese unkonventionelle Maßnahme entschieden, die bis vor Kurzem nur in einer Handvoll entwickelter Volkswirtschaften in Bezug auf die Währungspolitik eingesetzt wurde. Ursprünglich war Israels Programm zum Rückkauf von Vermögenswerten auf einen Rahmen von 50 Milliarden Schekel ausgelegt, der im Laufe der letzten Monate erweitert wurde (+35 Milliarden Schekel im Oktober 2020).

Zusätzliche Maßnahmen
Die ökonomische Literatur zeigt, dass diese Art von unkonventionellen Maßnahmen zu einem Rückgang des Wechselkurses führt. Das zu Beginn der Finanzkrise 2008 gestartete QE in den USA war eine der Triebkräfte der wirtschaftlichen Erholung, indem es einen Rückgang des Dollars bewirkte. Allerdings ist QE in einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem viele Akteure diesen Hebel nutzen, viel weniger effektiv. Bis heute haben mehr als 20 Volkswirtschaften, darunter auch die großen, diese Art der Geldpolitik betrieben.

Aus diesem Grund setzte die Zentralbank Israels parallel dazu ihre direkten Interventionen am Devisenmarkt fort. Nach den neuesten offiziellen Daten kaufte sie im Januar und Februar fast 11,7 Milliarden Dollar (ca. 9,9 Milliarden Euro) an Fremdwährungen zurück, um die Aufwertung des Schekels auf dem Devisenmarkt zu bremsen. Dies entspricht 40 % der insgesamt 30 Milliarden Dollar, die die Zentralbank des Landes für das gesamte Jahr 2021 für dieses Ziel ausgeben wollte. Es scheint also klar zu sein, dass die veranschlagte Summe nicht ausreichen wird und dass die Zentralbank gezwungen sein wird, in diesem Jahr Devisen im Wert von weit über 30 Milliarden Dollar zu kaufen. In der Tat stehen alle Indikatoren für einen weiteren Anstieg der israelischen Währung auf mittlere Sicht auf Grün. Für dieses Jahr sehen wir für den Schekel vier bullische Faktoren

  • Israels großer Leistungsbilanzüberschuss
    Diese Zahl erreichte im Jahr 2020 einen Rekordwert von 20 Milliarden Dollar (ca. 16,9 Milliarden Euro), was den Schekelkurs strukturell stärkt.
  • Cashflow aus Erdgasexporten

  • Das hervorragende Management der Impfkampagne
    Diese hat bereits eine fast vollständige wirtschaftliche Wiedereröffnung des Landes ermöglicht, während Europa sich mitten in der dritten Welle des Virus befindet. 

  • Der größte Unterschied zur Eurozone wird im Wachstum liegen
    Es wird erwartet, dass Israels wirtschaftliche Erholung in diesem Jahr in der Größenordnung von 7,5 % des Wirtschaftswachstums liegt, in der Eurozone geht man (nach den optimistischsten Prognosen) von 4,1 % aus. Dies wird wahrscheinlich den Leistungsbilanzüberschuss Israels erhöhen und den Schekel weiter stärken.

Nach den vierten Parlamentswahlen innerhalb von zwei Jahren gehen die Verhandlungen zur Regierungsbildung in Israel weiter. Diese politischen Turbulenzen sollten aber kein ausschlaggebender Faktor für das Währungspaar EUR/ILS sein.

In der Tat reagiert das Währungspaar eher wenig auf die relativ häufigen Turbulenzen in der israelischen Politik. Darüber hinaus sind die Sorgen über eine Kehrtwende in der Währungspolitik (eine mögliche Zinserhöhung, um der steigenden Inflation zu begegnen) unbegründet. Der Gouverneur der israelischen Zentralbank schloss dieses Szenario vor einigen Wochen klar aus und bekräftigte, dass die Geldpolitik weiterhin auf dem gleichen Kurs bleiben wird. Unter diesen Bedingungen sind alle Weichen für einen anhaltenden Rückgang des EUR/ILS-Kurses gestellt. Zunächst in Richtung der Marke von 3,78, die dem Dreimonatstief entspricht, bevor die bei 3,69 liegende Schwelle erreicht wird, die seit zehn Jahren nahezu unpassierbar ist.

 

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